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Der Kiebitz als Vogel des Jahres?

von Diane am 09. Januar, 12:27 Uhr

Die Straße, in der ich meine Kindheit verbrachte, heißt "Auf dem Kiwitt". Warum erwähne ich das? Gemäß Wikipedia (07.01.2021) ist "Kiwitt" die plattdeutsche Aussprache des Kiebitz. Auch der Kiebitz ist zum Vogel des Jahres 2021 nominiert.

Der hübsche Vogel, auf Englisch passend "lapwing" genannt, fällt zur Balz mit seinen amüsanten Tönen und dem fast schon tollkühn-betrunken wirkenden Taumelflug auf. Besonders gut beobachten kann man das auf brachliegenden Äckern oder Wiesen. Diese benötigt der Bodenbrüter auch für seine Gelege. Durch zu frühes und häufiges Mähen werden die Nester, leider auch schon geschlüpfte Jungvögel, einfach gemulcht; häufiges Pflügen und neu Bestellen der Felder führt zu einem Mangel an offenem Brachland. Die Vögel behalten gerne die Übersicht, aber ein klein wenig Deckung in Form von Gräsern und anderen Wildpflanzen darf es schon sein.

Äcker und Wiesen bewohnt er jedoch aus der Not gedrungen; urspünglich bevorzugt er sogenanntes Feuchtgrünland, also Wiesen und Weiden, die regelmäßig überflutet werden. Solche Lebensräume sind in unserem Land selten geworden, stattdessen ist unsere Agrarlandschaft geprägt von Entwässerungsgräben, die Flussufer sind zumeist begradigt und befestigt. In der "Roten Liste gefährdeter Biotoptypen" (Stand 2017) werden 78% der eher feuchten Grünlandbiotope als "gefährdet" eingestuft. Im Steckbrief zum "Vogel des Jahres 1996" (der Kiebitz war damals schon einmal Jahresvogel) schreibt der NABU zur Gefährdung des Kiebitz:

"Der Kiebitz wurde aus seinem ursprünglichen Lebensraum vertrieben. Hauptfaktoren hierfür sind Entwässerung, Grundwasserabsenkung, frühe Wiesenmahd, industrieller Torfabbau, Aufforstung von Mooren sowie landwirtschaftliche Arbeiten. Zu weiteren Gefährdungsursachen zählen Störungen der Brutgebiete durch intensive Freizeitnutzung, sowie in manchen Ländern auch immer noch die direkte Verfolgung durch Jagd und durch Eiersammler."

In der Roten Liste Schleswig-Holstein (Stand 2010) gilt der Kiebitz als "gefährdet" (Stufe 3), auf der Roten Liste Deutschlands (Stand 2007) wird er als "stark gefährdet" eingestuft.

Zum Glück gibt es hier und da Naturschutzprojekte, die es dem Kiebitz leichter machen sollen. Im Vogelschutzgebiet "Haaler Au" beispielsweise kooperieren Land und Landwirte seit 2011 zugunsten der Wiesenvögel. Dabei passen sich die Landwirte den Bedürfnissen der Vögel an; die wirtschaftlichen Verluste werden vom Land ausgeglichen. im Jahr 2011 brüteten sage und schreibe 49 Kiebitzpaare in dem Gebiet.

Andererorts erhalten die Tiere gerne mal schlechte Presse, wenn auf Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes der Fernverkehr nicht über eine Umgehungsstraße umgeleitet werden kann, weil an dem für die Straße geplanten Stück einige Kiebitze ihre Heimat-Äcker besitzen. Konflikte zwischen Mensch und Tier stehen da an der Tagesordnung.

Der Kiebitz als Vogel des Jahres 2021?

Wenn wir den Kiebitz 25 Jahre später erneut Vogel des Jahres werden lassen, möge er Botschafter sein gegen die Zerschneidung unserer Landschaft durch ein immer dichteres Straßennetz, gegen die Ausbeutung von Grünlandflächen (zur Produktion der im Vergleich zu Heu nährstoffhaltigeren Silage werden Felder bis zu 5 Mal im Jahr gemäht!) und für Erhalt, Schutz und, wo möglich, Renaturierung von Feuchtgrünland. Letzteres stellt übrigens auch eine gute Vorbereitung unserer Zukunft mit dem Klimawandel dar. Starkregenereignisse werden häufiger werden; ausgedehnte Flussniederungen mit Feuchtwiesen fangen einen guten Teil der durch das Flussbett strömenden Wassermassen auf, Überschwemmungsschäden flussabwärts - beispielsweise in malerischen Dörfern nahe des Flusses - würde so entgegen gewirkt.

Kiebitz_Oland

Abgelegt unter: Ornithologie

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Diane Klüsener
Neutjenthal 1
24816 Stafstedt

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